Markus ist ein Lebensretter

6. November 2019 von Anne Tempcke

Markus (rechts) und sein genetischer Zwilling Konstantinos. Dass er heute gesund ist, haben beide Markus' Stammzellen zu verdanken.

„Ich habe einen Bruder dazu gewonnen“

„Ein unbeschreibliches Gefühl …“, so berichet Markus Mathes über das Treffen mit Konstantinos Deligiorges: dem Empfänger seiner Stammzellen. Markus ist zum Lebensretter geworden. Und er hat auch einen Bruder dazu gewonnen.

Angefangen hatte alles im Jahr 1996: Markus hatte sich als Stammzellspender typisieren lassen, als der Sohn einer Freundin erkrankte. Das erste Mal durfte er dann neun Jahre später Stammzellen spenden. Lange Zeit gab es keine weiteren Anfragen an Markus, bis er dann im April 2014 ein weiteres Mal Post von der Stiftung AKB bekam. Man teilte ihm mit, dass er als Spender wieder infrage kam. „Für mich war damals sofort klar: Sollte es so sein, werde ich erneut spenden“, sagt Markus Mathes heute. Zwei Monate später war es dann so weit, per peripherer Blutstammzellspende wurden Markus‘ Stammzellen entnommen.

Markus bei seiner Stammzellspende im Juni 2014.

Fünf Tage hatte er sich zwei mal täglich ein Medikament gespritzt, das dafür sorgte, dass sich seine Stammzellen aus dem Knochenmark lösten und ihren Weg in die Blutbahn fanden. Markus‘ Körper reagierte auf das Hormon mit gewissen Nebenwirkungen: „zwei Tage Gliederschmerzen, aber was ist das schon im Vergleich zum Empfänger“ – so fasst Markus seine Erinnerungen an die Spritzenkur zusammen. Und nach der Spende? Da war sein Kopf voller Gedanken an seinen Empfänger. So oft dachte er an ihn, immer wieder: „Wie es im wohl geht, ob er alles gut überstanden hat …?“

Fünf Jahre später bekommt Markus Mathes wieder Post von der AKB: Ist es ein Brief mit der Aufforderung zur Nachsorge? Braucht sein Patient vielleicht erneut seine Stammzellen? Doch es gibt einen anderen Grund für die Post. Spender und Empfänger dürfen Kontakt aufnehmen: Es ist die Anfrage nach einer Datenfreigabe. „Ich habe mich sehr gefreut“, sagt Markus, denn das heißt nicht nur, dass der Patient lebt, sondern auch, dass es ihm so gut geht, dass er Kontakt zu ihm haben möchte.

Es dauert nur 10 Tage, da hat Markus eine E-Mail. Aus Kreta. Von Konstantinos, dem Mann, dem er das Leben gerettet hat. Und es dauert nur einige weitere Nachrichten, die die zwei austauschen, dann „stand der Entschluss fest, dass wir uns heuer noch treffen.“

Markus und seine Familie buchen ein Flugticket nach Kreta. Mit gemischten Gefühlen beginnt die Reise. Nur drei Monate sind seit der ersten E-Mail vergangen, die die beiden ausgetauscht haben.

Und dann ist es so weit: Das erste Treffen der Zwei. „Das war dann so, als ob wir uns schon lange kennen würden, ein unbeschreibliches Gefühl“ – Markus kann keine Worte dafür finden, sagt er. Aber es kam ihm vor, „als ob ich schon immer dazugehören würde, nicht nur ich, auch meine Frau und meine Tochter.“ Er hat Konstantinos, der nun in dieser kleinen Taverne auf Kreta vor ihm steht, das Leben gerettet, Konstantinos‘ akute myeloische Leukämie ist geheilt – dank Markus. Fünf Jahre ist Konstiantinos‘ neues, zweites Leben nun lang. Und eine Fünf formt deshalb auch die Kerze auf der Torte, die dem „Blutsbruder“ zu Ehren seiner ganz besonderen Verbindung vonseiten der neuen Familie geschenkt wird.

Ich für mich kann nur sagen: Ich habe einen Bruder dazu gewonnen, wir werden uns nächstes Jahr auf alle Fälle wiedersehen.

Markus ist Lebensretter und Blutsbruder

Life is a gift: Das ist rührend und eine wunderschöne Geschichte, von zwei Männern, die ohne Markus‘ Stammzellen heute gewiss keine Kerzen gemeinsam ausblasen würden.

Stammzellen können Leben retten. Werde auch du zum Lebensretter.