Jürgen Ziegler und Christian Lempenauer verbindet etwas Besonderes: Sie sind „genetische Zwillinge“

20. Juli 2018 von Patrick Schumann

Jürgen Ziegler und Christian Lempenauer verbindet etwas Besonderes: Sie sind „genetische Zwillinge“. Als Jürgen Ziegler mit Blutkrebs dem Tod entgegen ging, konnte ihm durch Christian Lempenauers Stammzellspende ein neues Leben geschenkt werden. Mittlerweile sind die beiden unzertrennliche Freunde. Wie es dazu kam, haben sie uns im Interview erzählt.

Herr Ziegler, wann und wie hat Sie das Thema Leukämie erwischt?

Jürgen Ziegler: Ende 2005, Anfang 2006 ging alles los mit starken Schmerzen in den Knien und der Hüfte, ich war immer sehr schlapp und fühlte mich nicht wohl. Am 21. April 2006 kam alles ins Rollen: Ich kam zum Hausarzt mit starken Schmerzen in der Seite, dann ging es auch schon ins Krankenhaus Burglengenfeld und dann ins Uni-Klinikum Regensburg – die Diagnose war Leukämie.

Blutkrebs ist tödlich – wie erlebt man die Nachricht, dass es da einen gibt, der einem mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit ein neues Leben schenken kann?

Z: Das Gefühl ist einfach herrlich, zu wissen, es gibt da einen, es kann dir jemand helfen!

Herr Lempenauer, dass der Kampf gegen Blutkrebs für Sie ein besonderes Anliegen ist, haben Sie nicht nur durch Ihre Typisierung gezeigt. Sie haben schon mehrmals Stammzellen gespendet! Wann wurden Sie denn als Lebensretter gerufen?

Christian Lempenauer: Das erste Mal war am 26.05.2006, wobei ich am 05.03.2007 noch einmal zum Nachspenden in die Klinik kam. 2009 gab es mal eine CT-Untersuchung, jedoch kam es zu keiner Spende. Das zweite Mal, wo es ernst wurde, war dann am 28.10.2015.

Das ist wirklich beeindruckend! Bei der Spenderehrung der Stiftung AKB hat man Sie beide zusammen auf der Bühne erlebt. Wir haben gehört, dass Ihre Freundschaft ganz klassisch mit Briefeschreiben begonnen hat – stimmt das so?

Z: Ja, das stimmt, die Freundschaft begann wirklich ganz klassisch. Nach etwa einem halben Jahr haben meine Frau und ich das erste Mal an Christian geschrieben – natürlich noch unbekannterweise.

L: Die ersten zwei Jahre haben wir wirklich sehr viele Briefe geschrieben, bis man uns gesagt hat, dass es ja vielleicht mal Zeit wäre sich zu treffen. Wir haben uns dann in dem letzten Brief gegenseitig mit Namen vorgestellt, wo wir herkommen und was wir so machen.

Wie war für Sie der Moment, als Sie ihrem Lebensretter zum ersten Mal begegnet sind? Gab es davor telefonischen Kontakt?

Z: Am selben Tag, an dem wir uns das erste Mal begegnet sind, hat meine Frau bei Christian angerufen und gefragt, ob er sich nicht mit uns treffen möchte, wir wären in der Nähe im Urlaub und so. Zugegeben: Sie hat mich und Christian damit erst einmal sehr geschockt!

L: Ja, das stimmt schon, es war sehr spontan! Die Frau Ziegler hat mich angerufen und am Abend haben wir uns dann auch schon gesehen. An dem Abend waren ich und Herr Ziegler sehr still – zum Glück waren mein Bruder und Jürgens Frau dabei, die haben sich dann gut unterhalten. Ich war die ganze Zeit sehr aufgeregt, man weiß gar nicht wie man sich in so einem Moment verhalten soll. Aber das Ganze ist dann sehr schnell verflogen und mittlerweile haben wir eine sehr schöne Zeit und schon viel zusammen erlebt.

Das kann man sich vorstellen! Nach dem, was man so hört, sind Sie jetzt beste Freunde und treffen sich ziemlich oft – und das obwohl der Herr Lempenauer aus dem Allgäu doch ein ganzes Stück weit weg wohnt.  Wie oft treffen Sie sich denn?

Z: So zwei- bis dreimal im Jahr, wie es die Zeit halt erlaubt.

L: Genau, das ist immer bisschen verschieden, aber so gut es geht, treffen wir uns. Wir haben uns über die Jahre wirklich oft gesehen, haben gemeinsam viel unternommen. Auch Feste feiern wir zusammen, runde Geburtstage, meine Hochzeit. Es ist eine richtig gute Freundschaft – so als ob wir uns schon immer kennen würden! Wir telefonieren auch gerne und schreiben uns viel über WhatsApp. 

Herr Ziegler, auf der Spenderehrung haben die Leute ganz schön über Ihre Tätowierung gestaunt! Ist das ein Phoenix?

Z: Ja das ist ein Phönix aus der Asche. Ich hab mich für das Motiv entschieden, weil ich ja ein neues Leben geschenkt bekommen habe – genau wie der Phönix.

Was sagen Sie zu dem Phoenix, Herr Lempenauer? Fühlt man sich da auch ein bisschen geehrt?

L: Ja, absolut, das ist für mich eine große Ehre! Am Anfang war ich sehr überrascht, aber natürlich im Positiven. Der Phoenix gefällt mir wirklich gut, er ist eine sehr schöne Erinnerung.

Sie beide verbindet ganz viel. Was war Ihr schönstes gemeinsames Erlebnis?

Z: Also ganz ehrlich gesagt – es gibt nur schöne Momente! Die erste Begegnung war, wie gesagt, noch ein bisschen still. Aber dank meiner Frau und Christians Bruder war es bald nicht mehr ganz so ruhig am Tisch. Wir haben z.B. Christians 30. Geburtstag auf einer Almhütte gemeinsam verbracht. Meinen 40. Geburtstag bei mir zuhause in der Oberpfalz haben wir ebenfalls zusammen gefeiert, sogar mit der Mama vom Chris, seinem Bruder und seinen Freunden.

L: Auch miteinander einkaufen, in die Therme oder aufs Volksfest gehen, gemeinsame Familienessen… Der Jürgen hat mich sogar schon mit auf die Jagd genommen, da saßen wir den ganzen Abend über Seit‘ an Seit‘ auf dem Jägerstand – das war auch sehr schön. Es gab schon so viele großartige Erlebnisse!

Z: Wir waren  zusammen in der Therme und am Monte Kaolino. Und bei der Hochzeit von Christian haben wir ebenfalls miteinander gefeiert. Wirklich, es gibt nur schöne Momente!

Herr Lempenauer, Herr Ziegler, vielen Dank für das Gespräch!