„Brüderchen“ und „Schwesterchen“ besuchen gemeinsam die AKB

30. März 2020 von Cornelia Kellermann

Verena Spitzer, selbst vor mehr als 20 Jahren durch eine Stammzelltransplantation geheilt, kümmert sich bei der Stiftung AKB um die Nachsorge unserer Stammzellspender. Dazu gehört nicht nur die regelmäßige Abfrage des Gesundheitszustandes eines Spenders, sondern auch dessen Bereitschaft, den Empfänger der Stammzellen kennenzulernen. Sie koordiniert den Austausch anonymer Briefe zwischen den Spendern und deren Empfängern innerhalb der 2-Jahressperrfrist. Erst nach Ablauf von 2 Jahren nach der Spende, dürfen sich beide Parteien, wenn beide dies wünschen, kennen lernen. Eine besonders schöne Geschichte erzählt Verena Spitzer von Steffen Jakobi und „seiner“ Empfängerin Natascha Michel, die sich kurz nach Ablauf der 2-Jahres-Frist das erste Mal getroffen haben. Die beiden beschlossen damals, beim 2. Treffen der Stiftung AKB einen gemeinsamen Besuch abzustatten. Am 25.02.2020 war es soweit. Verena Spitzer, Natascha Michel und Steffen Jakobi schildern die emotionale Begegnung in eigenen Worten:

Steffen und Natascha treffen sich zum ersten Mal!

VERENA SPITZER (Stiftung AKB) : „Immer wenn die „Eulenpost“ kam, habe ich mich gefreut. Die Empfängerin der Stammzellspende (Natascha Michel) schrieb an ihren Spender (Steffen Jakobi) auf einem Briefpapier, das komplett mit kleinen bunten Eulen umrandet war, die weise auf den Text blickten, dann auf mich, und ans Ziel gelangt auf den Spender. Beide schienen sich ab dem ersten Brief gut zu verstehen und spürten in den Briefen ihren Gemeinsamkeiten nach. Sie trafen sich postalisch beim Sport, der eine große Leidenschaft bei beiden ist. Dann sendete der Spender ein „Powerband“ an die Empfängerin, es sollte ihr Kraft spenden in der Zeit der Genesung. Es hat gewirkt. Ähnliche Wirkung hatten vielleicht auch Steffen Jakobis Berichte seiner sportlichen Aktivitäten, seiner Läufe, seiner Radtouren, die die Zellen bei der Empfängerin sportlich motivierten. Natascha Michel freute sich schon im Krankenhaus auf die sportlichen Möglichkeiten, die sich ihr böten, wenn sie das Krankenhaus verlassen kann. Ihr gelang es, die Kraft anzunehmen und umzusetzen und mit frisch gebackenem Zumba –Trainerinnen Zertifikat besuchte sie gemeinsam mit ihrem Spender die AKB. Steffen Jakobi zeigte Natascha Michel die „Ursprünge“ seiner/ihrer Zellen und sie folgten gespannt den Erklärungen von Dr. Hahn, der sich auch freute, eine gesunde junge Frau begrüßen zu dürfen, die dank der Stammzellen ihres Spenders ihr Leben wieder zurückgewann. Beide fühlen sich als „Brüderchen“ und „Schwesterchen“ und das im allerbesten Sinne der Worte.“

Das „Powerband“ erfüllte seine Mission.

STEFFEN JAKOBI (Stammzellspender der AKB): „Ich durfte schon zum 3. Mal nach Gauting reisen, nach der Voruntersuchung und der Spende dieses Mal einfach „nur zu Besuch“ 🙂
Bisher kannte ich auch eigentlich nur den 1. Stock, jetzt wurde uns in dem Gebäude eigentlich kein Raum und keine Person vorenthalten. Jeder hat sich für uns, mit einem Lächeln auf den Lippen, ein paar Minuten Zeit genommen. Man merkt bei allen, dass diese mit Herzblut mit dabei sind, und sich auch gefreut haben uns zu sehen. Diese Herzlichkeit fand ich damals schon beim 1. Mal so toll, man fühlt sich einfach geborgen. Wie nach der Spende, hat sich die meiste Zeit Verena Spitzer um uns gekümmert, und wir hatten bei Kaffee & Krapfen schöne Gespräche. Die Damen konnten aufgrund ihrer Geschichte ein wenig „fachsimpeln“. Einem wie mir bleibt da teilweise nur die Spucke weg, wenn man erfährt, was da jeder Erkrankte (und deren Angehörige) durchstehen muss. Trotzdem gehen die Ladies so positiv damit um und kämpfen offensiv für die gute Sache. Somit beste Vorbilder für alle, die diese Tortur auch bewältigen müssen! Es waren spannende und kurzweilige knappe 4 Stunden, vielen lieben Dank. Ich komme immer gerne wieder – egal für welchen Anlass 😉

Herzliche Grüße,
Steffen“

Verena Spitzer führt Natascha Michel (li.) und Steffen Jakobi (re.) durch alle Abteilungen der Stiftung AKB

NATASCHA MICHEL (geheilte Stammzellempfängerin): „Ich kann meinem Brüderchen nur voll und ganz zustimmen. Wir wurden herzlich aufgenommen, jeder hat sich Zeit genommen und auch wirklich absolut gefreut uns zu sehen. Deshalb hat es mich auch umso mehr gefreut, dass unser zweites Treffen nun bei der AKB stattgefunden hat und auch noch Verena Spitzer kennen lernen zu können, die sich ja nun schon fast 2 Jahre (wenn auch für mich die meiste Zeit bisher nur anonym) sehr gut um uns gekümmert hat. Bis dato kannte ich die Stammzellspende an sich ja nur von Videos oder Fotos aus dem Internet, umso interessanter war es, den Raum für die Spender und auch die komplette Vor- und Nachbereitung einmal life zu sehen. Dieser unglaubliche Aufwand, der vor ca. 2,5 Jahren in meinen 2 kleinen lebensrettenden „Stammzellbeutelchen“ gegipfelt hat, die eigentlich „nur“ einer Bluttransfusion gleich kamen, war mir bis dahin nicht klar. Auch der Austausch mit Verena Spitzer hat unglaublich gut getan und mir viel Hoffnung und Mut geschenkt! Zu sehen, dass eine Stammzellspende jemandem 24 Jahre und noch mehr schenken kann, ist der größte Schatz, den ich aus diesem Tag mitnehmen konnte.

Liebe Grüße
Natascha“