Lebensretter dank dem P-Seminar

20. November 2019 von Martin Prankl

Die Typisierungsaktion des LWG aus Schwabmünchen hat sich gelohnt!

Leben retten im P-Seminar: Das haben sich die Schülerinnen und Schüler des Biologie-Seminarkurses von Barbara Bleicher am Leonhard-Wagner-Gymnasium in Schwabmünchen vorgenommen. Und sie haben es geschafft: Nur vier Monate nach der Typisierungsaktion 23. März 2019 hat sich ein Stammzellspender in ihren Reihen gefunden!

Als Lukas Thoma von einer Freundin eingeladen wurde, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen, überlegte er nicht lange. Er fuhr zum Leonhard-Wagner-Gymnasium, wo ihr Kurs die Typisierungsaktion organisierte, und ließ sich typisieren. Damit, auch tatsächlich als Spender angefragt zu werden, rechnete er gar nicht: „Meine Mutter ist schon seit Jahren typisiert und wurde nie angefragt. So weit habe ich anfangs gar nicht gedacht!“

Doch kurz nach der Typisierung kam die Anfrage an Lukas: Willst du deine Stammzellen spenden und einem todkranken Menschen die Chance auf ein gesundes Leben geben? Für Lukas war der Fall klar:

„Ich hab mich gefreut, dass ich jemandem helfen kann, da hab ich nicht gezögert!“

Der angehende Schreiner ging sofort zum Arzt, um durch eine weitere Blutuntersuchung ganz sicherzugehen, dass er für seinen erkrankten genetischen Zwilling „der Richtige“ ist.

Nun wurde es richtig ernst: Wenn für einen Leukämiepatienten ein Spender gefunden ist, werden seine kranken Stammzellen abgetötet, damit die neuen, gesunden Stammzellen des Spenders ihren Platz im Körper des Patienten einnehmen können. Ab diesem Moment ist das kranke Immunsystem des Patienten vollständig zerstört und daher unbedingt auf die Stammzellen des gesunden genetischen Zwillings angewiesen. Deswegen ist es so wichtig, dass sich Typisierte, die eine Spendeanfrage bekommen, in ihrer Entscheidung absolut sicher sind, bevor sie zur Stammzellspende zusagen.

Doch für Lukas war das keine Frage. Er wollte. Er musste sich auf die Spende vorbereiten: Fünf Tage lang verabreichte er sich einen körperidentischen Botenstoff, den der menschliche Körper auch ausschüttet, wenn eine Infektion vorliegt. Das Medikament gaukelt quasi eine Infektion vor und animiert den Körper zur Überproduktion von Stammzellen, die dann ins Blut übertreten. Von dort wurden sie dann bei der Spende „herausgefiltert“. Ob es weh tat? „Der Arm hat danach natürlich weh getan, aber das ist eigentlich für jeden auszuhalten.“

Für wen seine Stammzellen bestimmt waren, weiß Lukas eigentlich nicht, „nur dass sie Baujahr 1992 ist, weiblich und aus Deutschland“ kommt, hat er doch erfahren können. Die deutschen Richtlinien verbieten die Freigabe genauerer Daten zum Schutz der Spender und Empfänger für einen Zeitraum von zwei Jahren ab der Spende; nur anonymer Briefkontakt und kleine Geschenke sind erlaubt. Wenn die Frist jedoch verstrichen ist und es dem Patienten gut geht, dürfen Spender und Empfänger ein persönliches Treffen vereinbaren.

Lukas würde sich jedenfalls freuen, seinen „genetischen Zwilling“ kennenzulernen: „Wenn sie das will, wäre ich auf jeden Fall dabei!“ Bis dahin gilt es erst einmal, unbekannterweise die Daumen zu drücken, dass der Körper der Empfängerin die neuen Stammzellen gut annimmt.

Dass die Typisierung überhaupt zustande kam, ist Stammzellspenderin und Lehrerin Barbara Bleicher zu verdanken. Sie spendete vor mehr als 10 Jahren ihrem Bruder ihre Stammzellen und schenkte ihm ein zweites, gesundes Leben. Nach dieser Erfahrung beschloss die Biologielehrerin, den Kampf gegen Blutkrebs in ihrem Biologie-P-Seminar zum Thema zu machen. In diesem „Projekt-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung“ sollen Schüler der gymnasialen Oberstufe praktische Erfahrungen sammeln – in diesem Fall war das die Organisation, Bewerbung und Durchführung einer Typisierungsaktion gemeinsam mit der Stiftung AKB. Und das Erfolgserlebnis, mit ihrer Aktion vielleicht schon jetzt ein Leben gerettet zu haben!


Die Aktion am Leonard-Wagner-Gymnasium war ein großer Erfolg und einer von vielen Schritten zu unserem großen Ziel: für jeden Leukämie-Patienten den passenden Spender zu finden! Aktuell haben nur rund 80 Prozent der Erkrankten dieses Glück. Es gibt viele Möglichkeiten, wie Schulen helfen können, diese Quote zu steigern – unser Helferguide für Schulen zeigt wie!